Wotan ist neugierig. Zeit seines Lebens versucht er, hinter alle Geheimnisse der Welt, der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu kommen und das manchmal mit recht zweifelhaften Methoden. Odin weiß, dass die magischen Schriftzeichen der Runen nicht nur für Lebende große Bedeutung haben können, sondern auch für die Toten. Deren Geheimnisse für die Lebenden sind als Lebender durch intensives Studium zu ergründen und das hat er längst getan, doch um ihre Todesmagie nutzen zu können, muss man selber sterben, denn diese ist nur den Toten zugedacht.
Und so grübelte Allvater, wie er diese Kunststück vollbringen könnte, hatte er doch keinesfalls vor, dauerhaft das Zeitliche zu segnen oder sich gar selbst nach Walhalla Walhalla zu schicken. Nein, an etwas Endgültigem war er nicht interessiert und so hielt er es für eine passende Idee, sich an einem Ast der Weltesche Yggdrasil zu erhängen. Seine sterblichen Überreste weihte er sich selbst, da er eben der Herr der Magie und der Gott der Gehängten ist. Um sicher zu gehen, dass er auch wirklich starb, rammte er sich auch noch, gewissenhaft wie er ist, seinen Speer Gungnir in den Leib.
So hing er neun Tage und hatte Zeit, die Totenmagie der Runen zu ergründen, bevor er die Probe aufs Exempel machte. Kraft der Runen holte er sich zurück in die Welt der Lebenden und war somit in der Lage, sein Selbstopfer anzunehmen.
Als er heim kam nach Asgard und auf seine Frau Frigg traf, machte er ein zufriedenes Gesicht, als er sie in die Arme nahm, hatte sich doch die Lücke zwischen seinem Wissen und ihrer Allwissenheit etwas verkleinert. Sie wusste natürlich davon, lächelte und schüttelte für ihn unmerklich den Kopf.
Seit diesem Zeitpunkt ist es Hangatyr, Odins Beiname als Gott der Erhängten, möglich, Gestorbene zeitlich begrenzt aus ihrem Totenschlaf zu erwecken, um ihnen wichtige Informationen zu entlocken.