Thor und Utgardloki

Thor und Utgardloki Thor, Loki, Röskva und Thjalfi machten sich auf den Weg, nachdem die größte Wut über die Erniedrigung, die sie durch Skrymir erfahren hatten, verflogen war. Der einzige, der einen fröhlichen Gesichtsausdruck hatte, war Loki, denn, er konnte nicht anderes, er musste sich einfach darüber freuen, dass Thor eine Lektion erteilt worden war, ist Schadenfreude doch eine seiner ausgeprägtesten Charaktereigenschaften. Kichernd ging er hinterher, was Thor augenblicklich erneut in finstere Stimmung versetzte.
Ihr erklärtes Ziel war die Halle des Riesen Utgardloki, die von vielen selbst Utgard genannt wird, obwohl sie nur ein kleiner Teil der schier unendlichen Außenwelt ist. Durch unwegsame und bedrohliche Ödlandschaften mussten sie wandern, bis sie endlich vor den gewaltigen Mauern seines Wohnsitzes ankamen. Mit mächtigen Faustschlägen donnerte Thor gegen das Tor, um Anspruch auf Einlass für sich und seine Gefährten zu erheben. Die Kinder hielten sich die Ohren zu, während Loki mit besorgtem Blick umherschaute, in der Hoffnung, das Portal würde geöffnet, bevor Thor es restlos zertrümmerte und den Zorn der Riesen damit wecke. Tatsächlich wurden sie hereingebeten und ohne Begrüßung und ohne Fragen zu stellen vom Hausherren gleich dazu aufgefordert, in Wettkämpfen ihre Würdigkeit zu beweisen. Anderenfalls werde man mit ihnen verfahren, wie mit dahergelaufenen Vagabunden, die in der Regel nicht Gutes zu erwarten hatten.
Schnell wurde jedoch klar, dass die Macht der Götter im Land der Riesen von geringerer Bedeutung war, als erwartet. Nach der Reihe versagten die Besucher bei den ihnen gestellten Herausforderungen. Loki verlor ein Wettessen, bei dem Versuch, ein Wettrennen zu gewinnen, scheiterte Thjalfi und Thor vermochte es weder, Utgardlokis Trinkhorn in den geforderten drei Zügen zu leeren noch dessen Katze aufzuheben und scheiterte ebenfalls daran, eine gebrechliche alte Frau im Ringkampf zu besiegen. Gedemütigt und völlig entmutigt suchten sie das ihnen bereitete Zimmer auf und weinten sich gemeinsam in den Schlaf.
Am nächsten Tag wurde ihnen ein reichhaltiges Frühstück gereicht und Utgardloki, ein vortrefflicher Gastgeber wie er war, geleitete sie in der Folge aus der Burg und vor die Pforte der Mauer, die noch immer etwas lädiert durch Thors Streicheleinheiten des Vortages in den Angeln hing. Bevor Utgardloki sie verabschiedete, gab der König der Riesen ihnen die Warnung mit auf den Weg, niemals wieder hierher zurückzukommen, denn er wisse von der Macht der Asen und der Vorliebe Thors, Riesen zu töten. Nun habe er mit eigenen Augen gesehen, zu welchen Heldentaten sie fähig seien, denn Lokis Gegner beim Wettessen sei das Feuer gewesen und Thjalfis Kontrahent nur ein Gedanke Utgardlokis und gedacht kann schneller werden als gelaufen. Auch Thor habe sich wacker geschlagen, denn das Methorn sei vom Ozean gespeist worden und er habe das halbe Weltmeer ausgetrunken. Die Katze sei in Wirklichkeit die Midgardschlange gewesen und seine Gegnerin im Ringkampf das Alter, das jeden bezwingt. Auch sei ihr Wegbegleiter Skrymir Utgardloki selbst gewesen und hätte er nicht damals bereits zur Zauberei gegriffen, wäre er nun tot, denn Thor habe nicht etwa dreimal auf seinen Kopf eingeschlagen, sondern auf einen Gebirgszug, über den es nun einen Pass gebe. Er werde auch in Zukunft seine Leute zu schützen wissen, weshalb es besser sei, wenn sich ihre Wege nicht mehr kreuzen würden. Lange Gesichter auf der Seite der Asen und noch bevor Thor etwas erwidern oder ihm den Schädel zertrümmern konnte, war er auch schon verschwunden und mit ihm seine Burg.
Dieses Mal war auch Loki unter den Getäuschten, womit er nur schlecht umgehen konnte, war er doch derjenige, der es gewohnt war, mit dem Verstand seiner Kontrahenten zu spielen. Etwas ratlos und mit gemischten Gefühlen machte sich die Gruppe auf den Weg, Utgard zu verlassen und die Grenzen Asgard zu überschreiten.